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Politik ist Debatte - Lass uns diskutieren

Tempora mutantur…

30/8/2024

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Dieser Text erschien erstmals am 30.08.2024 im Newsletter von Casafair Schweiz.
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Vor drei Monaten kam die Arbeitsgruppe Wohnschutz von Casafair Nordwestschweiz zum Schluss, dass das neue Wohnraumfördergesetz und die Wohnschutzverordnung zwar Potenzial haben, der Investor:innenlogik entgegen-zuwirken, deren Wirksamkeit aber noch unklar ist. Nun hat auch die vom Präsidial-departement in Auftrag gegebene Evaluation ähnliche Schlüsse gezogen.​

Vor rund drei Monaten habe ich in casanostra Nummer 176 - dem Mitgliedermagazin von Casafair Schweiz - den Konsens unserer Arbeitsgruppe Wohnschutz mit den Worten «Da steh ich nun, ich armer Tor – und das ist auch gut so!» zusammengefasst. Wir waren in unserer Situationsanalyse nämlich zum Schluss gekommen,

-dass mit dem neuen Wohnraumfördergesetz und der Wohnschutzverordnung dringend nötige Regulierungen geschaffen worden waren, die das Potenzial hatten, der Investor*innenlogik von Aufwertung und Verdrängung etwas entgegenzusetzen.

-dass aber noch völlig unklar ist, ob sie diesem Anspruch gerecht werden.

-dass dies wiederum nur normal sei, da angesichts riesiger Einmaleffekte wegen welt- und zinspolitischer Lage und wegen der langen Planungszeiträume in der Baubranche noch gar keine Möglichkeit besteht, Aussagen zur Wirksamkeit der Bestimmungen auf den Markt zu treffen.

Zu ähnlichen Schlüssen kam letzte Woche nun auch die Evaluation, welche das Präsidialdepartement in Auftrag gegeben hatte. Das ist vor allem spannend, angesichts der Schlagseite, welche die Arbeit sicher hat – wenn grossmehrheitlich Vertreter*innen der Finanzindustrie befragt werden, kann eigentlich kaum eine andere als die Investor*innenoptik in den Antworten auftauchen! In einer beispiellosen Machtdemonstration hatte aber die bürgerliche Mehrheit im Basler Grossen Rat ein ganzes Wahlkampfpaket von Vorstössen durchgepeitscht, schon bevor die Druckerschwärze meines Artikels getrocknet war. (Einzig das unsinnigste Bürokratiemonster am Ende der Liste konnten SP und Grüne mit Unterstützung der GLP wenigstens zum unverbindlichen Anzug abmildern lassen.)

Darum geht es bei den Motionen zur Lockerung der Wohnschutz-Bestimmungen

-Die LDP will Sanierungen von der Bewilligungspflicht befreien, welche einen Mietzinsaufschlag von maximal zehn Prozent bewirken. – was faktisch den grössten Teil der mietrechtlich korrekt abgewickelten Sanierungen betreffen dürfte.

-Die GLP will energetische Sanierungen wie Fassadendämmungen von der Bewilligungspflicht ausnehmen. – Pikant dabei: Diese Anteile der Sanierungskosten können bereits mit dem bestehenden Wohnschutzgesetz überwälzt werden.

-Die FDP will vermietetes Stockwerkeigentum vom Wohnschutz befreien. – Allerdings nur Wohnraum, welcher nach Annahme der Initiative zu Stockwerkeigentum umgewandelt worden ist. Eine «clevere» Exitstrategie für agile Investor:innen, so zu sagen.

-Die SVP will eine „Entpolitisierung“ der Wohnschutzthematik: Personen, welche Verbänden wie dem Mieter*innenverband nahestehen, sollen nicht mehr in der Wohnschutzkommission tätig sein dürfen. – Dass die politische «Gegenseite» mit Vertreter*innen der Industrie sehr gut vertreten ist, stört offensichtlich genausowenig, wie die tendenziöse Zusammenstellung der Fachmeinungen in der oben genannten Evaluation des Präsidialdepartementes.

-Die Mitte schliesslich wollte für Basel die umfassende Definition des Begriffs «Wohnungsnot» abschaffen. Neu soll diese aufgeschlüsselt nach «Wohnungsgrösse, Preiskategorie und Standort» ausgewiesen werden, damit die Regelungen nicht dauernd und überall gültig sein müssen. – Der Begriff Rechtssicherheit scheint der Partei nicht vertraut und die Frage wäre geblieben, wer den ganzen Aufwand der Erhebung bezahlen soll.


Kurz zuvor war noch bekannt geworden, dass der Mieterverband sich erstmals mit Investor*innen in einem Streitfall rund um das WRFG auf eine Neubaulösung hatte einigen können – unter der Bedingung, dass diese dem Casafair Kostenmietmodell unterstellt würde.

Trotzdem soll jetzt der neu gewählte Regierungspräsident Cramer – offensichtlich ohne Not – ein Gesetz massiv beschneiden, welches der Basler Souverän eben erst deutlich angenommen hatte. Dass es dabei zum Referendum von links kommen wird, steht wohl bereits heute fest. Damit aber nicht genug, versucht die Mitte Basel-Stadt nun ihren Wahlkampf noch mit einer unformulierten Initiative – das sind die Initiativen, bei denen in der Regel der Wunsch Vater des Gedankens ist – aufzupeppen, die fordert, Kantonsverfassung und Gesetz seien so anzupassen, «dass wieder mehr Wohnungen neu gebaut und saniert werden». In meiner Jugend hätte es bei einem solchen Anliegen ja noch Bemerkungen über die bekannten Verfechtungen der Basler CVP mit dem Bauwesen gegeben, aber eben:
«… nos et mutamur in illis»

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Verantwortungsvolle Wohneigentümer:innen sagen Ja zur #Biodiversität

22/8/2024

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Der Artenvielfalt in unserem Land geht es zunehmend schlecht. Die Siedlungsfläche in der Schweiz hat in den letzten vierzig Jahren um rund einen Drittel zugenommen. Gleichzeitig werden die städtischen Räume immer dichter bebaut, während zwei Drittel der Siedlungsfläche in der Schweiz versiegelt ist. Diese Zahlen können erschrecken. Aus Sicht von Casafair bergen sie aber auch einen Teil der Lösung des Problems.

Stabile Ökosysteme sind Voraussetzung für unseren Wohlstand. Langfristig sind sie für unser Überleben unverzichtbar. Eine reiche Artenvielfalt schützt den Siedlungsraum bei Starkregen, Überflutungen oder Hitzewellen. Deshalb sind gerade Wohneigentümer:innen besonders darauf angewiesen. Gleichzeitig ist es bereits heute so, dass fast die Hälfte aller Wildtierarten der Schweiz in Städten wie Basel vorkommt und rund doppelt so viele wildwachsende Pflanzenarten, wie auf einer vergleichbaren Fläche im ländlichen Raum. Das starke Wachstum  des Siedlungsraums gibt also den Bewohner:innen von Städten und Agglomerationen einerseits mehr Einflussmöglichkeiten, andererseits aber auch mehr Verantwortung im Kampf für die Biodiversität.

Die Biodiversitätsinitiative ist unsere überzeugte Antwort darauf – wir von Casafair nehmen die Herausforderung an!

Hauseigentümer:innen können viel tun

Nutzen und schützen ist das Gebot der Stunde – das zeigt sich besonders in der Siedlungsentwicklung. Das sehen wir von Casafair in unserer täglichen Arbeit. Wir als Hauseigentümer:innen können viel tun für die Biodiversität: Strukturreiche Gärten mit Wasserflächen, Parks mit alten Bäumen, aber auch klug begrünte Fassaden und Dächer sind wertvoll für die Biodiversität. Naturnah gestaltete Aussenräume sind nachweislich wertvolle Begegnungs- und Erholungsräume und verbessern das Stadtklima. Zahlreiche Projekte in Schweizer Städten zeigen, wie Natur im Siedlungsraum geschaffen und erhalten werden kann. Wir von Casafair wollen uns daran beteiligen.

Wirtschaftlicher Mehrwert

Biodiversität schafft aber auch wirtschaftlichen Mehrwert: ökologisch sinnvoll gestaltet Flächen erhöhen das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Wohnbevölkerung. Gleichzeitig bieten sie den wirksamsten Schutz vor Klimafolgen wie Hitze oder Starkniederschlägen.
Für Casafair ist klar, dass wir davon auch als Hauseigentümer:innen profitieren. Wir alle sind auf eine hohe Lebensqualität und einen wirksamen Schutz unserer Gebäude und Grundstücke vor den Klimafolgen angewiesen. Wir brauchen den Schutz unseres Zuhauses.

Biodiversitätsverlust übersteigt planetare Grenzen

Seit 1900 ging fast ein Fünftel der Landesfläche an artenreichen Lebensräumen wie Trockenwiesen, Auen und Mooren verloren. Parallel dazu hat sich die Siedlungsfläche immer weiter ausgedehnt. Die Siedlungs- und Bautätigkeit in der Schweiz übersteigt die Grenzen der planetaren Belastbarkeit deutlich. Das muss nicht so sein. Zwischen Wohn- oder Gewerberaum einerseits und Biodiversität andererseits muss kein Widerspruch sein: Qualitativ hochstehende Bauten und Siedlungsplanung beinhalten immer biodiversitätsfördernde Flächen und Strukturen. Insbesondere die kantonale Solaroffensive, so wie Casafair sich dazu bekennt, bietet grosses Potenzial für zusätzliche Flächen für Biodiversität. In dem wir endlich konsequent Kleinstanlagen ermöglichen, schaffen wir gleichzeitig zusammenhängende Netzwerke an Nischen für unterschiedlichste Tier und Pflanzenarten. Gleichzeitig werden gerade das neue Stromgesetz und die Fördermassnahmen des Basler Solarexpress’ helfen, den Zubau für die Artenvielfalt im städtischen Raum verträglich zu realisieren. So zum Beispiel die zusätzliche Förderung von Fassadenanlagen, um Dächer für Begrünung freizuspielen oder die Begrünung bei senkrecht geständerten Anlagen. Aus Sicht von Casafair ist klar, dass wir hier wir als Hauseigentümer:innen für den Klimaschutz und die Biodiversität unsere Verantwortung übernehmen.

Ja zur Biodiversitätsinitiative

Wenn die Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes erst grossflächig sichtbar sind, wird es zum Handeln zu spät sein. Es ist jetzt an uns die Weichen in eine lebenswerte Zukunft zu stellen.
Als Verband der umweltbewussten und verantwortungsvollen Wohneigentümer:innen setzt sich Casafair für die Stärkung der Biodiversität und für eine intakte Umwelt ein. Wir unterstützten deshalb die Biodiversitätsinitiative seit den Anfängen. Wir von Casafair wollen Verantwortung übernehmen - Verantwortung für unser Zuhause.

Redebeitrag Chaim Ben C. Howald, Umweltexperte im Vorstand Casafair NWCH
Für Rückfragen:
Chaim Ben C. Howald
Nanowissenschaftler / Schadstoffexperte, Dozent, Vorstand Casafair
[email protected]
+41 78 88 44 2 11
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Ritter, Storch und Babies

22/8/2024

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Weshalb die Neinkampagne #Bauernfängerei ist.

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Solaroffensive konsequent umsetzen; mit den Haus- eigentümer:innen

5/8/2024

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Die Vorschläge der Regierung zur Erhöhung der Solarstromproduktion setzen einen wichtigen Impuls - noch sind aber dringend Nachjustierungen nötig, damit alle Eigentümer:innen ihren Beitrag zur Energiewende leisten können.
Solarpflicht ist alternativlos
Die Pflicht zur Installation von Photovoltaik-Anlagen auf bestehenden Gebäuden ist aus energiepolitischer und ökologischer Sicht betrachtet alternativlos. Deshalb stehe ich wie Casafair Nordwestschweiz klar hinter der Pflicht, Solaranlagen auch auf Bestandsbauten zu errichten. Denn nur in dem wir möglichst viele dezentrale Kleinkraftwerke errichten, können wir die Biodiversität sowie die Orts- und Landschaftsbildern schützen und gleichzeitig den dringend benötigten Zuwachs bei den erneuerbaren Energien realisieren - Nutzen und schützen zu verbinden, ist heute oberstes Gebot.
Unterstützung für Eigentürmer:innen in der Liquiditätsfalle
Unsere Erfahrung deutlich, dass gerade Wohneigentümer:innen mit kleinem bis mittleren Portfolio nicht immer über die finanziellen Mittel verfügen, um Investitionen von der Grössenordnung einer Photovoltaik-Anlage zu tätigen. Gerade ältere Personen, Geschiedene oder Verwitwete, können oft nicht so viel investieren - einfach weil ihr gesamtes Alterskapital in der Immobilie gebunden ist. Gleichzeitig erhalten genau diese Eigentümer:innen auch kaum Kredite oder zusätzliche Hypotheken.  Casafair fordert deshalb, dass der Regierungsrat dafür sorgt, dass bei Inkrafttreten des Gesetzes geeignete Finanzierungsinstrumente zur Verfügung stehen. Angesichts der hervorragenden Kreditwürdigkeit und der Finanzlage des Kantons erscheinen hier kantonale Bürgschaften für Bankdarlehen ein probates Mittel.
Fördern und Fordern bis 2037 - und darüber hinaus
Angesichts von Basels erfreulich ambitioniertem Netto-Null-Ziel 2037 ist es völlig unverständlich dass der Regierungsrat in seiner Vorlage vorsieht, die geplanten Fördermassnahmen bereits 2030 auslaufen zu lassen. Damit würden weder realistische Amortisationshorizonte erreicht, noch echte Anreize gesetzt, damit alle zum Erreichen der Ziele der Energiestrategie beitragen können. Bei Casafair Nordwestschweiz haben wir deshalb die Forderung formuliert, dass die Fördermassnahmen mindestens bis 2037 laufen. Um die Kantonsfinanzen nicht allzu sehr zu belasten, schlägt Casafair vor, dass die vorgesehene Ersatzabgabe für nicht umgesetzte Dachnutzungen bereits fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes fällig wird. Dabei soll der Kanton eine Staffelung der Gebühr nach Umsetzungszeitpunkt prüfen.
Technische und juristische Hürden abbauen
Bisher stockt der Zubau der Photovoltaik-Flächen auch, weil viele Projekte zu lang brauchen bis zur Umsetzung.  Alle Massnahmen, die dem entgegenwirken sind deshalb sehr zu begrüssen. Insbesondere sollten die Beratungsangebote beim Amt für Umwelt und Energie rasch ausgebaut werden. Sie sollen zu allen Energiefragen beraten und auch Wissen zum rasant wechselnden Feld der Speichertechnologien bündeln und vermitteln. So können sie zum Beispiel auch vermeiden helfen, dass sozial oder ökologisch problematische Materialien eingesetzt werden.
Auch den Abbau administrativer Hürden unterstützt Casafair. Aus Sicht von Casafair muss der Kanton hier aber noch konsequenter vorgehen: Neben der Bewilligungspraxis ist auch die Förderpraxis des Amts für Umwelt und Energie zu überprüfen. Auch Photovoltaik-Anlagen an Fassaden müssen umfassend gefördert werden. Es reicht nicht, wenn der Kanton Fassaden-Photovoltaik-Anlagen nur fördert, wenn gleichzeitig gedämmt wird.

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    Chaim Ben C. Howald - Nanowissenschaftler und Experte für Schadstoffe aller Arten

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